Kirche und Sport

Sport und Spiritualität

Bewegung ist die Ursache des Lebens; stellte Leonardo da Vinci bereits vor über 500 Jahren fest. Bewegung tut gut: sie ist, hält und macht gesund. Warum also nicht einmal mehr bewegen?

Schon die Heilige Theresa von Avila hat im Mittelalter versucht, die­se Weisheit zu leben: "Tue Deinem Leib etwas Gutes, damit Deine Seele Lust hat, in ihm zu wohnen!" Was für eine freundliche, wohl­tuende Lebensaussage einer "hochkarätigen Kirchenlehrerin".

Warum also nicht im religiösen, spirituellen Bereich mehr Bewegung wagen? Unsere Seele und unser Geist haben das Recht - und die Sehnsucht - in einem ausgewogenen Verhältnis zum Körper zu stehen. Kein Mensch lebt nur aus dem Geist heraus.

Der DJK Diözesanverband versucht mit seinem Sport und seinen Angeboten in Aus- und Weiterbildung und im Bereich Kirche und Sport diese Gedanken aufzugreifen und die Verbindung von Sport und Spiritualität herzustellen.

Unter anderem Veranstaltet der Verband jährlich Sportexerzitien um die Methoden von Sport und Spiritualität zu nutzen Teilnehmende zu Begleiten auf ihrem Weg zu sich selbst, zur inneren Ruhe und körperlicher Fitness und Ausgeglichenheit.

Siehe unter Downloads Ausschreibung:  Exerzitien 2014

 

Pfarrer Klaus Waldeck - zu Kirche und Sport

Auf den ersten flüchtigen Blick scheint Kirche und Sport eine eher ungewöhnliche Verbindung zu sein.

Manche sind sehr erstaunt, wenn sie hören, dass ich Geistlicher Beirat eines katholischen Sportverbandes bin. Einige, auch in der Kirche, denken, dass Kirche und Sport nicht viel miteinander zu tun haben können. Hier zeigt schon die Geschichte der DJK, dass diese Sichtweise sehr einseitig ist.

1920 wurde die DJK als katholischer Sportverband gegründet, der Brücken schlagen sollte zwischen Kirche und Sport. Auch im Bistum Limburg entstanden in den zwanziger Jahren DJK Vereine. Eine wichtige Verbindung zwischen Kirche und Sport war entstanden.

Auf gesamtkirchlicher Ebene setzte im Jahre 1962-65 das 11. Vatikanische Konzil deutliche Akzente für die katholische Kirche. In der Pastoralkonstitution "Gaudium et Spes" wird betont, dass Freude und Hoffnung der Menschen von heute zugleich auch Freude und Hoffnung der Jünger Christi sind und dass es nichts wahrhaft menschliches gibt, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände. So weiß sich die Kirche dem ganzen Menschenbild und ihrer Geschichte zuinnerst verbunden. Zu dieser Geschichte hat sicher auch der Sport einen wesentlichen Beitrag geleistet.

So bietet die Kirche dem ganzen Menschengeschlecht die aufrichtige Zusammenarbeit an; nicht aus irdischem Machtstreben heraus, sondern um "dem Menschen zu dienen, der mit Leib und Seele, Herz und Gewissen, Vernunft und Willen im Mittelpunkt steht." Kooperation mit allen Menschen und mit allen gesellschaftlichen Gruppierungen "um der Menschen willen ", das wurde und wird von kirchlicher Seite aus immer wieder betont.

Das II. Vatikanische Konzil würdigte zudem den Sport mit seinen Veranstaltungen, jenen Sport, "der zum psychischen Gleichgewicht des Einzelnen und der Gesellschaft, sowie zur Anknüpfung brüderlicher Beziehungen zwischen Menschen aller Lebensverhältnisse, Nationen oder Rassen ", beiträgt.

Sport, der Menschen verschiedener Herkunft, Kultur, Nation und Rasse verbindet - ein zutiefst christlicher Gedanke.

Auch in der deutschen Kirche gibt es auf höchster Ebene eine gemeinsame Erklärung von der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland, die die Partnerschaft zwischen Kirche und Sport zum Thema hat. Unter dem Titel "Sport und christliches Ethos" werden auch kritische Punkte angesprochen. Etwa die Gefahren, dass der Sport durch die wachsende Kommerzialisierung, durch Leistungsmanipulation und Doping, durch Nationalisierung, Gewaltanwendung und Unfairness seine Freiheit und Glaubwürdigkeit verlieren kann. Andererseits werden die großen Chancen des Sporttreibens herausgestellt wie soziale Bedeutung, Werte des Spielens, Freizeit- und Breitensport, sowie die große Bedeutung der Vereine.

Besonders gewürdigt wird hier das Ehrenamt im Sport mit seinen sozialen, pädagogischen und gesellschaftspolitischen Aufgaben: " Dieses selbstlose Engagement ist gelebte Christlichkeit und durchaus dem in diakonischen und caritativen Einrichtungen vergleichbar."

Als Brücke zwischen Kirche und Sport ausdrücklich genannt werden hier die DJK und die Eichenkreuzarbeit im Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM). deren Bildungsauftrag im Evangelium Jesu Christi begründet ist und alle Bereiche menschlichen Lebens umschließt. "Beide Verbände wollen ein Mehr an Leben. Neben den sportlichen und geselligen Angeboten im Rahmen der Vereinsarbeit, vermitteln sie deshalb ihren Mitgliedern einen vertieften Sinn für das Leben, und bezeugen einen starken Glauben an die Nähe Gottes und die Fülle des Lebens in Jesus Christus."

Kirche und Sport also doch keine ungewöhnliche Verbindung. Eine Verbindung, die für beide Seiten fruchtbar sein kann, die beide bereichern, fördern und voranbringen kann.

Kirche und Sport eine gute, konstruktive, mitunter durchaus auch eine kritische Partnerschaft.

Die Kirche legt dabei Wert auf ethische Maßstäbe. Diese erwachsen nicht aus sich selbst, sondern müssen auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes entwickelt werden. Der Sport hat die Würde des Menschen zu achten und zu fördern und die Ausrichtung des Menschen auf Gott hin offenzuhalten.

Eine geschärfte ethische Sensibilität kann Erfolge und Rekorde relativieren und so Sportlerinnen und Sportlern vom "Siegen müssen um jeden Preis", entlasten.

Auf dem Hintergrund der christlichen Botschaft ist Leistung und Leistungssport nicht alles. Christen dürfen sich vor aller eigenen Leistung und mit ihren Schwächen, mit dem, was ihnen nicht gelungen ist, von Gott angenommen und geliebt wissen. Das befreit von überzogenem Leistungs- und Konkurrenzdenken.

Durch den Sport ist über die "Fairness" ein wichtiger ethischer Impuls in die Gesellschaft hineingetragen worden. Fairness meint hier nicht nur die Beachtung von Regeln, sondern die Achtung des Gegners und die Wahrung seiner körperlichen und seelischen Unversehrtheit.

Fairness hat Grundlagen in der Botschaft der Bibel, der Botschaft Jesu Christi. In der Bergpredigt sagt Jesus in der sogenannten Goldenen Regel: "Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen " (Mt 7,12 ). So ist Fairness als Gesinnung und Praxis ein wichtiger Beitrag zu einem menschlichen Miteinander und zum Frieden.

Heute erleben viele Menschen die Dimension des Religiösen und Transzendenten auch bei sportlichen Aktivitäten (in Verbindung mit der Natur oder auch in rituellen Gestaltungsformen bei großen Sportveranstaltungen).

Die Kirche kann hier behilflich sein, diese Erfahrungen auf der Grundlage des Evangeliums zu deuten und zu vertiefen. Sie kann dazu, wie es die französischen Bischöfe ausgedrückt haben, den Glauben anbieten und vorschlagen.

Sportlerinnen und Sportler zeigen hohes Engagement und großen Einsatz, um ein (sportliches) Ziel zu erreichen. Gerade in Mannschaftssportarten spielt der Zusammenhalt, das Zusammenspiel der einzelnen eine entscheidende Rolle, damit ein Mannschaftsgefühl entstehen kann und " eine Mannschaft auf dem Platz oder in der Halle steht", dass Einer für den Anderen spielt, kämpft und sich einsetzt. Davon dürfte in manchen kirchlichen "Mannschaften" oder Teams mehr zu spüren sein. Auch ein Stück von der Begeisterung, die nicht nur siegreiche Mannschaften beflügelt, möchte ich aus der Sicht des Sports der Kirche und so mancher Gruppierung in ihr wünschen.

Vielleicht müsste den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Zuschauer ab und an zurufen: " Gott will Euch kämpfen seh' n!" Kirche und Sport, aus meiner Sicht eine gute und konstruktive Partnerschaft, fruchtbar für beide Seiten.

Zum 50jährigen Jubiläum des DJK Diözesanverbandes Limburg möchte ich allen herzlich danken, die sich als Brückenbauer zwischen Kirche und Sport betätigt haben, allen, die sich in den DJK Vereinen und im DJK Diözesanverband in vielfältiger Weise engagiert haben. Ich wünsche Ihnen allen weiterhin Kreativität und Phantasie, Mut und Sportsgeist und in Ihrem Engagement nicht nachzulassen; für eine lebendige DJK und eine lebendige Verbindung zwischen Kirche und Sport.

Pfarrer Klaus Waldeck, geistlicher Beirat des DJK Diözesanverbandes Limburg